Es ist ein Mythos, dass mit der Ankunft eines Kindes der Minimalismus aufhört. Auch als Familie mit Kindern kann man durchaus ein minimalistisches Leben führen. Das kommt uns vor allem dann zu gute, wenn wir mal wieder den Wohnsitz wechseln. Wir reisen zwar mit eingechecktem Gepäck. Trotzdem brauchen wir so gut wie keinen Platz für Spielzeug.

Unser Spielzeug ist selbstgemacht, kostenlos und recycelt. Damit fördert es zudem noch besonders die Kreativität, Motorik und Eigenständigkeit unseres Kindes.

Dieser Artikel ist eine Zusammenstellung von Ideen für solches Spielzeug, das sich besonders für Familien eignet, die viel unterwegs sind.

Alles außer Spielzeug

Gerade für kleine Kinder ist alles neu, und darum ist auch alles Spielzeug. Wir haben von Anfang an sehr wenig klassisches Spielzeug gehabt und stattdessen alles verwendet, was es im Haus und in der Natur zu finden gibt.

Gemüse wie Kartoffeln oder Möhren war schon immer interessant für unser Kind. Vor allem in Kombination mit Dosen, Töpfen und Löffeln.

Geschlossene Tüten mit Müsli, Tee oder Hülsenfrüchten rascheln wunderbar. Man kann sie versuchen zu stapeln und ebenfalls in Töpfe packen.

Tannenzapfen, Federn, Steine, Kastanien, Eicheln, Muscheln und Stöcke eignen sich super zum Kullern, in eine Dose hineintun und wieder herausholen und zum Verstecken.

Mit aufgeklebten oder aufgemalten Augen werden sie zu Charakteren. An Schnüren aufgehängt wird daraus ein Mobile.

Verpackungen recyceln

In eine leere Spüli-Flasche habe ich ein Loch geschnitten, in das eine Kinderhand gerade so hinein passt. Jetzt kann unser Kind trockene Bohnen oben durch den Hals schieben und sie unten wieder herausholen. Dasselbe Prinzip kannst du zum Beispiel auf leere Joghurtbecher anwenden. Durch einen Schlitz im Deckel können Kinder zum Beispiel Münzen oder Eisstiele hineinstecken.

Leere Tetrapacks und Klopapier-Rollen eignen sich bestens für Murmelbahnen – oder Bohnen-Rutschbahnen. Im Moment reicht schon ein schräggestellter Saftkarton, und unser Kind bekommt nicht genug davon, Bohnen durch die Öffnung zu schieben und sie unten herauskullern zu sehen. Aber der Fantasie und dem Ansporn sind keine Grenzen gesetzt.

Tetrapacks sind außerdem gute Grundbausteine für Puppen- und Vogelhäuser und für Fahrzeuge wie Autos, Züge, Lastwagen und Schiffe.

„Masse“

Wer wie wir nicht am Sandstrand in tropischen Temperaturen wohnt, kann eine Spielerfahrung mit „Dreck“ nicht so einfach bieten – oder doch?

Getrocknete Hülsenfrüchte in einem großen Behälter sind ein perfekter Sandkasten-Ersatz. Dein Kind kann drinnen damit spielen und das Chaos lässt sich relativ leicht wieder auffegen. Im Bohnensand lassen sich auch Sachen verstecken.Spielzeug

Ich habe auch immer eine kleine Portion Salzteig im Kühlschrank, die regelmäßig verwendet wird. Einfach etwa acht Teile Mehl mit einem Teil Salz und etwas Speiseöl mischen und nach und nach Wasser hinzufügen, bis ein geschmeidiger, weicher Teig entsteht. Unser Kind bearbeitet es gerne mit dem großen Nudelholz, einem Messer und einem Keksausstecher. Ich habe daraus kleine Figürchen gemacht zum Spielen. Sie trocknen seit Wochen auf der Heizung und dürften bald einsatzbereit sein.

Spielzeug

Visuelles

Für kleine Kinder sind die einfachsten Sachen interessant. Leere, durchsichtige Plastikbehälter, befüllt mit Hülsenfrüchten und Sand, oder aber mit Wasser und Verpackungsschnipseln, vielleicht noch etwas Nahrungsmittelfarbe… Alles was raschelt oder sich bewegt, macht Spaß. Auch hier sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Zur Beschäftigung im Hochstuhl habe ich für unser Kind etwas Shampoo und kleine Perlen in eine durchsichtige Plastiktüte gefüllt und diese flach und dicht auf dem Tischchen aufgeklebt. Im gelartigen Shampoo kann man die Perlen verschieben, das fühlt sich interessant an.

Decken, Tücher, Bettbezüge

Neulich habe ich aus Bettbezügen und Stühlen eine Höhle an unser Sofa „angebaut“. Das hat ganz viele Kindheitserinnerungen in mir selbst geweckt. Es muss also gar kein Spielzelt sein. Im Gegenteil, eine selbstgebaute Höhle kann immer wieder verändert und neu gestaltet werden.

Spielzeug

Ansonsten eignen sich (Hand-)Tücher, Schals und Bettlaken auch wunderbar zum Verkleiden. Für magische Umhänge, Turbane und Brautschleppen braucht man nicht viel mehr.

Ich habe auch schon Tannenzapfen und andere kleine Dinge in einen Kissenbezug gefüllt und dann konnte unser Kind fühlen und raten.

Und obwohl es zugegebenermaßen nicht genau dasselbe Erlebnis ist, ersetzt ein Laken auch hin und wieder ein Fallschirmtuch, das wir gemeinsam steigen und sinken lassen.

Für ältere Kinder

Ältere Kinder können mit allen Textilien ein Hüpfspiel oder einen Grundriss auf dem Boden auslegen. Vielleicht für ein Schiff, oder einen gefährlichen Krokodil-Parcours? Am Besten, man lässt sie einfach selbst entscheiden und sich überraschen.

Unser Kind ist erst eins, darum habe ich keine persönliche Erfahrung damit, was für Spielgeräte ältere Kinder benötigen. Vermutlich wird alles einfach immer komplexer und ausgefeilter. Eine befüllte Plastikflasche ist wahrscheinlich nicht mehr so interessant, aber ab einem gewissen Alter können sie ja selbst mit Wasser und Nahrungsmittelfarbe experimentieren. Und den Salzteig selbst mischen und daraus komplexere Kunstwerke kneten als nur Spielfiguren. Auch die Tetrapack-Fahrzeuge werden professioneller und selbst gebaut.

Überhaupt kann ich mir vorstellen, dass Kinder sich mit steigendem Alter mehr und mehr an der „Erfindung“ von neuen Spielen und dem benötigten Spielzeug beteiligen.

„Streuen“

Ich zeige meinem Kind selten, wie etwas geht, und lasse es stattdessen alles ausprobieren. Ich „streue“ (Englisch: Strewing) verschiedene Materialien und warte ab, was passiert. Ich lege also zum Beispiel einen Stapel Bettbezüge ins Wohnzimmer auf den Boden und wenn mein Kind sie findet, macht es schon etwas daraus. Ich habe auch öfter schon Bohnen in einem Topf, ein paar Dosen und Kochlöffel ausgelegt, in der Hoffnung, dass daraus eine Kinder-Koch-Aktion würde. Oft gibt es jedoch eher Bohnenchaos und Getrommel. Aber beim Spielen gibt es kein Richtig oder Falsch und alles ist erlaubt.

Ausleihen

Wir haben außer zwei Pixie-Büchern nur ausgeliehene Kinderbücher aus der Bücherei. Einmal im Monat gehen wir feierlich dorthin, um die alten Bücher abzugeben, ein bisschen zu lesen und uns einen Satz neue Bücher auszuleihen.

In Deutschland gibt es einige Anbieter, bei denen man auch Spielzeug mieten kann. Im englischsprachigen Raum, besonders Australien, Neuseeland und USA sind „toy libraries“ populär. Aber vielleicht wäre das auch eine Idee für deinen Freundeskreis, einen Spielzeug-Tausch zu initiieren.

Rotieren

Als wir noch in Deutschland hin und wieder mit Spielzeug beschenkt wurden, hatte unser Kind zwei Kisten: eine gut zugängliche mit der Hälfte der Spielsachen, und eine unzugängliche mit der anderen Hälfte. Alle paar Wochen habe dann entweder einzelne Spielzeuge oder beide Kisten ausgetauscht. Was eine Weile außer Sicht gewesen war, war plötzlich wieder interessant, ohne dass wir ständig neues Spielzeug brauchten.

Kombinieren und Mehrzweck

Minimalisten lieben alles, was mehr als einen Verwendungszweck hat. Je mehr Aufgaben ein Ding erfüllen kann, desto weniger andere Dinge braucht man. Deswegen liebe ich auch Alltagsgegenstände mehr als Spielzeug. Wenn der Kochlöffel uninteressant wird, kann ich ihn wieder zum Kochen verwenden und dafür ein paar Bettbezüge abtreten, ohne dass wir die Anzahl an materiellen Sachen, die wir in unseren Schubladen haben, erhöhen müssen. Bei geschenktem Spielzeug (das wir übrigens nicht ablehnen) freut es mich deshalb umso mehr, wenn es sich dabei um Klötze, Eimerchen, Fahrzeuge oder andere Mehrzweck-Spielsachen handelt. Sie lassen sich prima drinnen, draußen, in der Badewanne, mit Sand, mit Bohnen und in Kombination mit vielen anderen Sachen verwenden und es wird nicht langweilig. Sehr spezifisches Spielzeug oder batteriebetriebene Spielsachen besitzen wir nicht.

Lieblingsstücke

Natürlich haben auch wir klassisches Spielzeug. Ganz wichtig ist ein kleiner weicher Ball, mit dem wir in der Wohnung spielen. Außerdem natürlich Benno den Hasen und Caro den Teddy, sowie ein rotes Holzauto. Außerdem reist immer eine kleine Dose mit fünf Wachsmalkreiden mit und die Decke, in die wir mein Kind gleich nach der Geburt eingewickelt haben. Solche Dinge geben Sicherheit und Routine. Sie haben Wiedererkennungscharakter und sind deshalb sehr wichtig.

Spielzeug

Doch selbst Stofftiere kann man aus Stofftaschentüchern oder Socken selber machen, und wer keine Malfarben mitnehmen möchte, experimentiert vielleicht mit Lebensmittelfarben oder auch nur einem Tablett mit Sand oder Salz, auf dem gemalt werden kann.

Mir geht es gar nicht darum, Spielzeug zu vermeiden. Im Gegenteil. Unser Kind zeigt mir jeden Tag, dass mit ein bisschen Fantasie und Kreativität alles Spielzeug ist und die ganze Welt ein Spielplatz.

Womit spielen deine Kinder? Ich bin gespannt auf deine Tipps für Spielzeug für Reise-Familien.

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Laura liebt es, durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen zu wachsen. Sie glaubt fest daran, dass Achtsamkeit und Ehrlichkeit über eigene Privilegien und Vorurteile die Reiseerfahrungen nur vertiefen. Für sie ist jede Reise ein Schritt - und jeder Schritt eine Reise. Auf mind-set-travel.com inspiriert sie mit ihren authentischen Geschichten und bereitet dich auf deine nächste verantwortungsbewusste Reise vor.