Wie könnt ihr euch denn das eigentlich leisten? Diese Frage ist definitiv unter den Top 3 der Fragen die uns gestellt werden, wenn wir erzählen, dass wir als 5-köpfige Familie eine einjährige Weltreise machen. Nein, wir haben nicht im Lotto gewonnen und auch nicht geerbt, wir haben keine Bank überfallen und auch sonst keine krummen Dinger am Laufen. Wir waren wohl mal das, was man als Mittelstand bezeichnet. Was wir allerdings gemacht haben ist, „das macht man so“ in Frage zu stellen. Warum man denn arbeiten geht und für was man das Geld, welches man da verdient, ausgibt und derlei Dinge.

Wir möchten dir ein paar Hacks aufzeigen, die uns dabei geholfen haben, unseren Traum von einer Familienweltreise zu finanzieren. Und wie wir vermeiden, dass uns das Geld während der Reise zwischen den Fingern verrinnt.

Spare, spare (und kein Häusle baue)

Starte rechtzeitig mit der Planung deiner Weltreise! Ein Jahr Vorlauf ist ideal, ein halbes Jahr das Minimum. Neben jeder Menge Dinge, die organisatorisch zu erledigen sind, hast du so auch die Möglichkeit, deinen Lebensstil bis zum Start deiner Weltreise zu überdenken. So kannst du zum Teil enorm Kosten senken. Hier ein paar Fragen, die du dir stellen kannst:

  • Brauche ich wirklich zwei Autos oder geht es auch mit nur einem oder vielleicht sogar ganz ohne? Kurze Strecken zu Fuß gehen und längere mit dem Fahrrad fahren ist ohnehin gesünder. Und den ÖPNV gibt es ja auch noch.
  • Wie sind denn meine aktuellen Ausgaben für Miete und kann ich vielleicht bis zum Start meiner Reise in eine einfachere Unterkunft ziehen? Oder vielleicht sogar für ein paar Monate zu meinen Eltern oder Freunden?
  • Restaurant, Kino, Fußballstadion, Konzerte, das Premiere Abo, die Mitgliedschaft im Fitness Studio, das du zum letzten mal vor einem halben Jahr besucht hast, sind alles Ausgaben, die sich schnell und einfach einsparen lassen.
  • Größere Ausgaben wie z.B. für Wohnungseinrichtung oder einen neuen Fernseher solltest du jetzt erst mal ganz genau prüfen – und falls es doch sein muss, kann man viele Dinge auch gebraucht, z.B. bei Ebay Kleinanzeigen, kaufen.

Überlege dir, wie viel du einsparen kannst und wann die Reise los gehen soll. Deine monatliche Sparleistung x die verbleibenden Monate + deine Ersparnisse ergeben dein Reisebudget. Nimm das Geld, das du einsparst und richte dafür einen Dauerauftrag auf ein Sparbuch an. Wenn du Onlinebanking nutzen solltest, verwahre die Zugangsdaten an einem sicheren Ort und schaue dir nicht den Kontostand an – so kommst du erst gar nicht in Versuchung, Geld von deinem Weltreise Konto zu entnehmen.

Du bekommst nicht genügend Geld zusammen? Dann hast du drei Möglichkeiten: entweder mehr sparen, die Reise später starten und bis dahin mehr ansparen oder noch ein bisschen mehr die Komfortzone verlassen. Was ich damit meine? Ich kenne reisende Familien, die von € 300 und z.T. noch weniger im Monat leben, zugegeben, meins wäre es nicht, aber es geht. Wenn du diese Weltreise wirklich willst, musst du aus deiner bequemen Komfortzone raus und auch mal im Discounter statt immer nur bei Käfer’s einkaufen.

Stick on your budget

Um ein Tages- oder Monatsbudget einhalten zu können, braucht es erst mal eins: ein Budget! Überlege dir also vor deiner Reise, wie viel du im Monat bzw. am Tag ausgeben möchtest und auch kannst. Wichtig dabei: mach dir ein realistisches Ziel. Nicht ist frustrierender als jeden Monat feststellen zu müssen,  dass du deinen Plan wieder nicht eingehalten hast.

Als fünfköpfige Familie wirst du mit € 1.500 im Monat im Japan vermutlich verhungern, in Thailand aber ganz gut über die Runden kommen. Bedenke also bei deinem Budget auch die Lebenshaltungskosten im Reiseland bzw. plane deine Reise auch nach deinem zur Verfügung stehenden Budget. Denn für ein halbes Jahr Südostasien wirst du sicher deutlich weniger Geld benötigen als für den gleichen Zeitraum in Skandinavien.

Finanzierung Weltreise

Wenn du also ein realistisches Budget für dein Traumziel gefunden hast, musst du natürlich auch prüfen, ob du denn das Budget einhältst. Bedeutet Buch führen über die Ausgaben. Wir haben uns ganz bewusst für ein Notizbuch aus Papier entschieden, in dem wir unsere (Bar-)Ausgaben eintragen. Alles was wir mit Kreditkarte bezahlen, fassen wir über die Kreditkartenabrechnung am Ende des Monats zusammen. Warum ein Notizbuch aus Papier und keine App? Neben schlechten Erfahrungen, die wir unter anderem mit Evernote gemacht haben (kein Netz wenn man es braucht, Synchronisierungsprobleme und ständiges Aufhängen) bedeutet Handybenutzung in unserer Familie eine sofortige Diskussion mit unseren Kindern, ob sie denn kurz etwas auf dem Handy nachschauen/spielen/anhören dürfen. Daher die Oldschool Papier Variante.

Live like a local

Wenn du zu Hause bist, wirst du nicht jeden Tag zum Essen gehen, den Freizeitpark besuchen und auch sonst keine Unmengen von Geld ausgeben. Ähnlich verhält es sich auch bei einer Familienweltreise. Lebe auf Reisen so, wie du auch zu Hause leben würdest bzw. wie die Einheimischen vor Ort leben. Gehe im Supermarkt oder auf dem Markt einkaufen und achte auf Angebote. Kaufe lokal und regional. In Kroatien bspw., wo wir aktuell sind, kosten regionale Paprika rund die Hälfte der bei uns erhältlichen rot-gelb-grünen Paprika. Koche selbst anstatt auswärts Essen zu gehen. Und wenn deine Unterkunft keine Küche hat: selbst im Wasserkocher lassen sich einfache, aber schmackhafte Gerichte zubereiten. Passe deine Essgewohnheiten an das jeweilige Land an. In Asien gehört Reis nun mal zu fast jedem Gericht und ist dementsprechend preiswert erhältlich.

Sieh es mal so: dein Zuhause ist nicht mehr ein Steinhaus irgendwo in Deutschland, sondern die Welt. Und hey, du kannst auf deiner Weltreise auch auf großem Fuß leben, in den besten Hotels absteigen, jeden Tag Essen gehen und mit Geld um dich werfen. Dann wird das aber erstens eine verdammt kurze Weltreise (außer du hast einen nennenswerten 6-stelligen Betrag angespart) und zweitens – was ich viel entscheidender finde – du wirst immer in deiner Touristenblase bleiben und nicht mit dem wahren Leben der Menschen in Kontakt kommen, die in deinem Reiseland zu Hause sind.

Senke deine Kosten zu Hause

Wenn du für einen längeren Zeitraum nicht zu Hause bist, kannst du sehr viel Geld sparen, in dem du deine Verbindlichkeiten drastisch reduzierst. Einige Beispiele:

Viele Versicherungen lassen sich für einen bestimmten Zeitraum still legen. Bei manchen Lebensversicherungen ist das auch ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich. Sprich am Besten deinen Versicherungsberater darauf an, welche Möglichkeiten deine Versicherung hier bietet. Generell kannst du dir im Zuge der Planung deiner Weltreise überlegen, welche Versicherungen du hast und ob die tatsächlich Sinn machen. Wer „Die 4-Stunden Woche“ von Tim Ferris gelesen hat, der wird den Satz „Was ist das schlimmste, das passieren kann“ kennen. Nach diesem Motto wählen wir inzwischen auch unsere Versicherungen aus: alles, was uns nicht (finanziell) ruinieren kann, wird nicht versichert! Auch hierzu mehr demnächst in einem eigenen Blogpost.

Thema Miete oder Eigentum: laufende Kosten für Miete oder für die Tilgung des Darlehens für das Haus lassen sich durch Untervermietung reduzieren. Und wenn du ganz mutig bist: kündige deinen Mietvertrag! Auch das kann ein hervorragender Anlass sein, dich über die vielen Dinge, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, Gedanken zu machen. Wenn du erfahren möchtest, wie es uns damit ging, warum uns Besitz belastet hat und warum wir inzwischen sehr minimalistisch unterwegs sind, findest du mehr Informationen hier.

Wichtig: starte rechtzeitig! Deine Versicherungen und laufende Verträge haben Kündigungsfristen, die in den meisten Fällen einzuhalten sind. Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, dass einige Verbindlichkeiten nicht kurzfristig kündbar sind. Um einen Abnehmer für den Leasingvertrag für mein Geschäftsauto zu finden, hat es ein gutes halbes Jahr gedauert! Zum Thema Leasing gibt es demnächst auch nochmal einen eigenen Artikel, denn Leasing ist nach einer Festanstellung die größte Fußfessel die man sich selbst ans Bein binden kann.

Überlege dir, wie du auf Weltreise Geld verdienen kannst

Auch unterwegs gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie du deine Reisekasse aufbessern bzw. schonen kannst. Auf der einen Seite sind hier die „klassischen“ ortsgebundenen Arbeiten. WWOOF (World wide opportunities on organic farms) bietet z.B. die Möglichkeit, auf ökologisch bewirtschafteten Höfen zu arbeiten – und das weltweit. Ähnlich funktionieren auch Facebook Gruppen wie z.B. „Urlaub gegen Hand“, wo Unterstützung gegen freie Kost und Logis vergeben wird.

Weltreise FinanzierungImmer mehr Zulauf findet ortsunabhängiges Arbeiten. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der inzwischen fast flächendeckenden Verfügbarkeit von schnellen Internet können viele Tätigkeiten, die noch vor wenigen Jahren nur im Büro erledigt werden konnten, inzwischen weltweit an einem Laptop mit Internetzugang gemacht werden. Hier gibt es für Freelancer verschiedene Jobs wie Programmierarbeiten, Erstellung von Webseiten und Assistenzarbeiten.

Ebenfalls beliebt sind Beratungen und Coachings in den verschiedensten Bereichen des Lebens. Vom Ernährungscoach über den Persönlichkeitsentwicklungscoach bis zum Fitnesscoach gibt es inzwischen (fast) alles. Die Beratungen erfolgen meistens über Skype oder ein anderes Collaboration Tool.

Mit einiger Kreativität schaffst du es vielleicht auch, deinen aktuellen Job so abzuwandeln, dass du diesem auch von unterwegs weiter nachgehen kannst. Das war auch mein Weg: vom klassischen Vertrieb für Telekommunikationsprodukte habe ich mein Unternehmen und die Art und Weise, wie ich Kunden gewinne und betreue so angepasst, dass ich inzwischen komplett ortsunabhängig arbeiten kann. Aus einem Job, in dem ich in erster Linie viel unterwegs war, um meine Kunden vor Ort zu besuchen ist jetzt eine Tätigkeit geworden, der ich komplett online nachgehe. Und daraus ist auch mein zweites Standbein geworden: ich berate Unternehmer bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse und zeige Möglichkeiten auf, wie man ortsunabhängig Arbeiten kann.

Erfreue dich an den einfachen Dingen des Lebens

Reisen bietet so viele wunderschöne Momente, wenn man sich darauf einlässt, Mache deine Weltreise nicht zu einer To-Do-Liste mit Dingen, die noch erledigt werden müssen und Plätzen, die noch besucht werden müssen. Genieße den Moment, spüre den Boden unter deinen Füßen, die Sonne auf deiner Haut und die salzige Luft in deinen Lungen. Sei im Hier und Jetzt – collect moments, not things. Solch eine Art zu Reisen ist sehr erfüllend und hat noch einen netten Nebeneffekt – sie ist extrem budgetschonend.

Sicher möchtest du jetzt genaue Zahlen – welche Summe wir in welcher Zeit angesammelt haben, mit welchen Rücklagen wir gestartet sind und was wir uns für ein monatliches Budget gesetzt haben. Hab noch ein wenig Geduld, der Blogpost dazu ist in Arbeit und kommt demnächst.

Unsere Freunde von Familie auf Weltreise haben ein umfassendes Paket zusammen gestellt, das wirklich alle Fragen zum Thema Familien Weltreise beleuchtet. Schaut unbedingt mal rein.

Fragen, Anmerkungen, Kritik? Immer fleißig in die Kommentare schreiben, wir freuen und über jeden Beitrag und beantworten diese auch gerne.

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Hi, ich bin Alex, der kreative Kopf in der Familie und für alles technische zuständig. In meinem alten Leben habe ich viele Jahre im Vertrieb gearbeitet. Ein Burnout im Sommer 2016 hat meine Prioritäten gehörig verschoben – seitdem lebe ich mein Leben im hier und jetzt. Ich arbeite smart statt hart. Durch meinen Konsumverzicht muss ich weniger erwirtschaften. Die gewonnene Zeit nutze ich für das wertvollste auf dieser Welt: meine Familie.