Eine Krankenversicherung ist auf Weltreise unerlässlich – vor allem wenn man als Familie unterwegs ist. Nachdem wir das Thema Schulpflicht gelöst hatten, stand das Thema „Was machen wir mit unserer gesetzlichen Krankenversicherung“ als nächstes auf dem Plan. Wie wir dabei vorgegangen sind und welche Erkenntnisse wir gewonnen haben teilen wir gerne mit dir in diesem Artikel.

Vorab noch eine Anmerkung: die nachfolgenden Informationen sind nach besten Wissen und Gewissen recherchiert und beruhen zu einem großen Teil auf Informationen, die ich aus Gesprächen mit Mitarbeitern meiner Krankenkasse erhalten habe. Da aber jeder Fall individuell ist, empfehle ich dir, deine persönliche Situation mit einem Ansprechpartner bei deiner Krankenversicherung zu klären. Denn eine Gewährleistung für die Informationen kann ich nicht übernehmen.

Gesetzliche Krankenkasse

Wir, Kirstin und ich, waren beide in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Während ich als Selbständiger freiwillig gesetzlich versichert war, war Kirstin als Angestellte gesetzlich pflichtversichert, da ihr monatliches Einkommen unter der allgemeinen Versicherungspflichtgrenze lag. Für 2017 liegt diese diese Grenze € 57.600 Bruttoeinkommen pro Jahr.

Als Selbständiger hast du freie Versicherungswahl. Du kannst dich zwischen einer freiwilligen Versicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse oder für eine private Krankenversicherung entscheiden. Großer Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse ist die Familienversicherung. Damit sind Kinder sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch der Ehepartner in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert, ohne dass dafür Beiträge erhoben werden. Ganz anders dazu private Krankenversicherungen: hier wird jede versicherte Person abgerechnet.

Zum Glück bin ich in jungen Jahren nicht in eine private Krankenversicherung gewechselt, auch wenn ich damals als Gutverdiener ohne Kinder oft mit dem Gedanken gespielt habe. Ein gutes Jahrzehnt später weiß ich als dreifacher Familienvater die Annehmlichkeiten der Familienversicherung durchaus zu schätzen.

Leistungen im Ausland

Die gesetzlichen Krankenkasse übernimmt in erster Linie die Behandlungskosten einer Erkrankung in Deutschland. Darüber hinaus hast du mit der Krankenversicherungskarte, die auf der Rückseite der deutschen Karte aufgedruckt ist, prinzipiell in allen EU-Mitgliedsländern Anspruch auf eine Behandlung. Kosten werden hierfür nicht in Rechnung gestellt.

In der Praxis gestaltet sich das aber manchmal ein wenig anders, da z.B. das Krankenhaus in deinem Urlaubsort den Verwaltungsaufwand mit EU-Formularen scheut und deswegen die Behandlung unter fadenscheinigen Gründen ablehnt. Oder der Dorfarzt in Andalusien kennt die EU-Versicherungskarte schlichtweg nicht und behandelt nur gegen Vorauskasse.

Bei Reisen außerhalb der EU wird die Lage noch ein wenig heikler: zwar zahlt die gesetzliche Krankenkasse oft auch die Behandlungskosten im Ausland, bisweilen musst du aber in Vorleistung gehen oder einen Teil der Behandlungskosten selbst übernehmen. In manchen Ländern wirst du ausschließlich gegen Vorkasse behandelt. Die Kosten für die Behandlungen werden von der Krankenkasse nur zum Teil und manchmal auch gar nicht ersetzt.

Für Reisen ins Ausland ist eine Reisekrankenversicherung also in den allermeisten Fällen sinnvoll.

Kündigung

Nachdem die Versicherungsleistungen der GKV für uns im Ausland nicht ausreichend waren, haben wir uns für den Abschluss einer Langzeit Reisekrankenversicherung entschieden. Was sollten wir jetzt mit unserer Krankenversicherung machen? Für ein Jahr die Beiträge weiter zu zahlen, ohne die Möglichkeit zu haben Leistungen in Anspruch zu nehmen, wollten wir vermeiden.

Für Kirstin, die als Angestellte gesetzlich pflichtversichert und noch in Elternzeit war, war die Entscheidung einfach. Sie informierte ihren Arbeitgeber, dass sie für ein Jahr während ihrer Elternzeit nicht weiter arbeiten werde und das Thema war erledigt. So war sie zwar noch in der GKV versichert, die Beiträge übernahm aber die Krankenkasse.

Für mich als freiwillig versicherten in der gesetzlichen Krankenkasse erschien nach einiger Recherche eine Kündigung am sinnvollsten. Die Möglichkeiten hierfür sind im § 190 Abs. 13 Nr. 2 SGB V klar geregelt:

Die Mitgliedschaft der in § 5 Abs. 1 Nr. 13 genannten Personen endet mit Ablauf des Vortages, an dem

  1. ein anderweitiger Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall begründet wird oder
  2. der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthalt in einen anderen Staat verlegt wird.

Für meinen Fall bedeutete das, dass ich meine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse mit Vorlage einer Langzeit Krankenversicherung unter Einbehaltung der Kündigungsfrist von 2 Monaten kündigen konnte. Entscheidend war, dass durch meinen Auslandsaufenthalt und die Reiseversicherung ein anderweitiger Versicherungsanspruch im Krankheitsfall begründet war. Wichtig: eine Kündigung der Krankenkasse ist auch dann möglich, wenn du deinen Wohnort weiterhin in Deutschland behältst, du dich also nicht abmeldest.

Die spannende Frage war jetzt also, ob und wie ich denn nach Rückkehr von meiner Weltreise wieder in meine GKV zurück kehren konnte.

Anwartschaftsversicherung

Um wenig Themen ranken sich so viele Mythen wie um die Anwartschaftsversicherung. Doch zunächst einmal: was ist überhaupt eine Anwartschaftsversicherung? Mit einer Anwartschaftsversicherung oder kurz Anwartschaft sicherst du dir gegen eine monatliche Zahlung deinen Wiedereinstieg in die gesetzliche Krankenversicherung. Diese monatliche Zahlung deckt die Verwaltungskosten bei deiner Krankenkasse. Eine Inanspruchnahme von Leistungen ist während der Anwartschaft nicht möglich. Die Beiträge für die Anwartschaft werden pauschal berechnet und liegen bei rund € 45 pro Monat.

Seit der Gesundheitsreform von 2007 gibt es in Deutschland eine Versicherungspflicht. Bis dahin war die Anwartschaft ein probates Mittel, um sich die Wiederaufnahme in die gesetzliche Krankenkasse zu sichern. Das ist inzwischen nicht mehr notwendig, denn mit der Gesetzesänderung macht eine Anwartschaft seit 2007 keinen Sinn mehr.

Welche Versicherung nach der Rückkehr

Was passiert mit dem Versicherungsschutz nach der Rückkehr? Ab dem Zeitpunkt, ab dem du wieder deutschen Boden betrittst, gilt die Versicherungspflicht. Daher macht es durchaus Sinn, sich schon vor der Rückkehr bei deiner Krankenkasse zu melden und den Versicherungsschutz wieder zu aktivieren.

Es gilt der Grundsatz, dass du dich wieder in dem System versicherst, wo du vorher versichert warst. Wer also vor seinem Auslandsaufenthalt in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert war, kehrt wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück. Das Gleiche gilt für den Versicherten in der privaten Krankenversicherung, der sich wieder eine private Krankenversicherung sucht.

Prinzipiell gilt eine freie Versicherungswahl, d.h., du kannst dir deine Versicherung nach deiner Rückkehr aussuchen. Am einfachsten ist es allerdings, wenn du wieder bei der Versicherung Mitglied wirst, bei der du bereits vorher versichert warst.

Tipp: lass‘ dir von deiner GKV schriftlich bestätigen, dass du nach deiner Rückkehr wieder versichert wirst. In meinem Fall habe ich auf meine Kündigung hin ein Standardschreiben bekommen, in dem mir die Kündigung zwar bestätigt wurde, aber auch folgendes vermerkt war:

Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass damit nicht nur die Mitgliedschaft bei unserer Krankenkasse, sondern generell Ihre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung beendet wird. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist grundsätzlich ausgeschlossen und nur dann möglich, wenn zu einem späteren Zeitpunkt erneut Versicherungspflicht eintritt.

Ein freundlicher, aber bestimmter Hinweis, dass es sich hier nicht um einem Systemwechsel handelt, sondern die (private) Auslandskrankenversicherung nur auf Grund der fehlenden Leistungen außerhalb des EU-Auslands abgeschlossen wird, brachte dann die gewünschte Bestätigung meiner GKV:

Wir haben im System vermerkt, dass Sie für voraussichtlich ein Jahr ins Ausland gehen. Da wir die letzte Krankenkasse sind, müssen wir Sie ab Rückkehr wieder aufnehmen.

Reisekrankenversicherung – was für wen?

Nachdem das Thema gesetzliche Krankenversicherung geklärt ist (in den meisten Fällen mit einer Kündigung), stellt sich die Frage, wie man sich auf der Weltreise versichern soll.

Neben den „klassischen“ Reisekrankenversicherungen, die meist nur Urlaubsreisen bis zu maximal 6 Wochen abdecken, gibt es auch eine große Auswahl an Versicherungen, die einen Schutz für Langzeitreisen anbieten. Die meisten Versicherungsunternehmen bieten Tarife für eine Reisedauer von bis zu einem Jahr an, einige auch bis zu 5 Jahren. Es gibt Sondertarife für „junge Leute“ (fallen wir leider nicht mehr darunter) und in den meisten Fällen wird der Versicherungsbeitrag deutlich günstiger, wenn man Reisen in die USA und Kanada ausschließt. Bei einigen ist ein kurzer Heimatbesuch in Deutschland mitversichert, bei anderen nicht.

Einen Vergleich zu Reisekrankenversicherungen für Familien findest du in unserem Beitrag Auslandskrankenversicherung für langzeitreisende Familien im Vergleich.

Welche Erfahrungen hast du mit deiner Krankenkasse gemacht? Hast du noch weitere Hinweise, die für andere Familien wichtig sind? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar.

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