Beim Minimalismus geht es nicht bloß darum, deine Besitztümer durchzugehen und zu entscheiden wir behalten und was nicht um mehr Raum und Ordnung zu erhalten und um weniger putzen zu müssen. Weit gefehlt! Dieser Prozess ist ein Neuanfang, eine Wiedergeburt und eine Neuorientierung zusammen! Es macht Platz für ganz viele und ausschließlich positive Dinge. Du wirst sehen, ich verspreche dir nicht zu viel!

In diesem Blogartikel möchte ich dir zunächst eine Idee davon geben, inwiefern der Minimalismus dein Leben auf den Kopf stellen kann. Und wenn du dann restlos vom Prinzip Minimalismus überzeugt bist, gebe ich dir drei Methoden an die Hand, damit du die Ärmel hochkrempelst und vom Denken ins Tun kommst. Solltest du jedoch noch immer zweifeln, dann lies dir gerne Teil 1 und Teil 2 meiner Minimalismusreihe durch.

Warum Minimalismus dein Leben verändert

Fangen wir an uns mit unserem Besitz auseinanderzusetzen und zu differenzieren, was bleiben darf und was weg kann, dann sind wir gezwungen uns auf verschiedenen Ebenen (emotional, rational, funktional) mit jedem einzelnen Gegenstand zu beschäftigen. Möchtest du am Ende dieses Prozesses ausschließlich die Dinge um dich haben, die dich mit Glück erfüllen, dann ist diese Angelegenheit in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen erledigt. Es erfordert viel Energie, Entscheidungsfreude und Zeit. Gelingt es dir aber, bis zu deinem persönlichen Ziel durchzuhalten, so wirst du sehen, dass du von da an ungeahnte Freiheiten, Zeit, Ruhe, Zufriedenheit, Glück, Wohlbefinden, Fokussierung, ja sogar mehr Geld „besitzen“ wirst.

Doch was ich ganz besonders spannend finde, es gibt dir die Möglichkeit dich selbst zu entdecken. Das klingt wahrscheinlich jetzt ziemlich verrückt und weit hergeholt, ich weiß. Aber mit jedem Teil das du reduzierst, kannst du mehr und mehr von deinem ganz persönlichen Potenzial entfalten. Denn du gewinnst plötzlich viel mehr Zeit und Raum, um neue Dinge zu erfahren und auszuprobieren, für die du bisher keine Kapazitäten hattest. Dein bisheriger Mangel an Zeit und Energie haben dir womöglich den Blick getrübt, deine wahren Leidenschaften zu entdecken. Denn mit jeder Entscheidung die du treffen wirst, findest du ein Stück mehr deiner persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Vielleicht entdeckst du sogar längst vergessene Leidenschaften wieder – oder ganz neue.

Minimalismus

Ich erzähl dir ein bisschen etwas aus meiner persönlichen Geschichte: Ich habe nie wirklich Hobbies gehabt. Ich habe diese Frage in Poesielaben gehasst und in Bewerbungsschreiben wusste ich auch nie was ich dazu schreiben sollte. Erst seitdem ich mich immer mehr auf das Wesentliche konzentriere, sind meine Vorlieben, meine Interessen, meine Fähigkeiten, meine Wünsche und Ziele zu Tage getreten. Ich kann es rückblickend immer noch nicht fassen, wieviel Zeit meines Lebens ich für Zeug verschwendet und wie selten ich mein Potenzial wirklich genutzt habe. Hätte mir das so jemand vor ein paar Jahren gesagt, ich hätte meine Augen verdreht und wäre weiter gegangen und hätte mich ernsthaft gefragt: Wieso ausgerechnet entdeckt man sein Potenzial, wenn man sein Geschirr reduziert? Finde es heraus, versuche es einfach, du hast wirklich nichts zu verlieren, außer ein paar Dinge, die sowieso nur einstauben und von dir geputzt werden wollen.

Wie sortierst du am besten aus? Drei Methoden zu deinem Glück.

Es gibt diverse Wege wie du deinen Besitzstand auf ein Minimum reduzieren kannst. Durchforste das Internet, die entsprechenden Facebookgruppen und Youtube-Kanäle und jeder wird dir seine persönlichen Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Und alle sind mit Sicherheit auf ihre Weise gut. Doch nicht nur die Methode selbst ist dein Weg zum Glück, sondern dein vorab definiertes Ziel. Denn ohne ein ganz konkretes (!) Ziel vor Augen zu haben, wirst du schnell die Lust verlieren und abbrechen. Und in Nullkommanichts wirst du wieder im Chaos versinken, ohne Sinn und Verstand shoppen und deine unendlich wertvolle Lebenszeit mit deinem Besitz verschwenden.

Das Ziel kann so individuell wie die Methoden auf dem Weg dorthin sein. Formuliere es unbedingt so detailliert wie möglich und am allerbesten mit einem Zeitpunkt an dem du das Ziel erreichen wirst. Und vergiss so Sätze wie: „Am 31.12. möchte ich am liebsten, wenn nichts dazwischen kommt, eine 2 monatige Reise zum Nordpol unternehmen“. Kein Konjunktiv! Konkret, klar und überzeugt sein. Besser ist:

„Am 31.12. starte ich meine Reise zum Nordpol!“

Du kannst gerne noch Unterziele formulieren wie z.B., dass du bis dahin dein gesamtes Hab und Gut aufs Wesentliche reduzierst und du Betrag 12.345 € zusammengespart hast. Schreibe das Ziel GROß und FETT auf und hänge es an deinen Kühlschrank, über dein Bett, an den Badezimmerspiegel oder wo auch immer du ständig mit der Nase drauf stößt. Und dann fängst du sofort an!

Doch wie? Meine persönlich beste Inspiration war der TEDtalk von The Minimalists, das sind Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus. Die eingefleischten Minimalisten unter euch kennen die beiden. Sehr sympathisch, sehr authentisch und unglaublich inspirierend. Und diese beiden haben in eben diesem TEDtalk die Message vom Konzept Minimalismus auf den Punkt gebracht:

Mit wenigen Dingen zum erfüllten Leben.

MMinimalismusittlerweile sind die beiden weltweit bekannt, haben einen erfolgreichen Podcast und touren mit ihrem Programm durch die USA. Sie haben mit der Packing Party Methode eine ungewöhnliche, aber sehr effektive Methode „entwickelt“. Das Ziel: wie trenne ich sehr schnell und fast schon radikal die Spreu vom Weizen bzw. meinen unnötigen und belastenden Kram von den Dingen, die ich liebe und die mich glücklich machen.

 

„Packing Party“

Diese Methode ist so simpel wie effektiv. Du packst ALLES was du besitzt in (Umzugs-)Kartons, also wirklich alles: Kleidung, Badartikel, Handtücher, Geschirr, Bücher, Papierkram, … alles. Selbst die Möbel solltest du weg packen, wenn es irgendwie möglich ist. Stell dir einfach vor, du würdest umziehen und alles einladen. Ryan hat alles in Kisten gepackt und diese in ein eigenes Zimmer gestellt. Eine andere Möglichkeit wäre es, wenn du z.B. die Kiste mit den Badartikel im Bad lässt, die Bettwäsche, Wolldecken und Kissen im Schlafzimmer etc.. Entscheide nach deinem Gusto.

Und nun packst du nur die Dinge aus, die du brauchst und die dich glücklich machen – 3 Wochen lang, so war zumindest Ryans Zeitfenster. Du kannst selbstverständlich ein anderes wählen. Aber dehne es nicht monatelang aus! Denn die Dinge, die du bis dahin nicht ausgepackt hast, vermisst du auch 6 Monate später nicht und wirst sie schon gleich gar nicht mehr (ge-)brauchen.

Alles was du nach deinem vorher definiertem Zeitfenster nicht ausgepackt hast kommt weg – verkaufen, verschenken, verschrotten. Und das so zügig wie möglich. So solltest du übrigens grundsätzlich mit deinen aussortierten Dingen verfahren, damit du ja nicht in Versuchung kommst und es dir doch wieder anders überlegst.

Minimalismus

Für wen ist die Art von Ausmisten hilfreich? Ich denke am ehesten für die, die das Konzept Minimalismus verstanden haben aber keinen Bock auf monatelanges Aussortieren und Ausmisten jeder Schublade haben. Diejenigen, die einfach jetzt anfangen wollen ein freies Leben zu führen und nicht erst in 2 Jahren. Doch wenn ich es mir recht überlege, ist das eine Methode, die für jeden, der Lust darauf  hat, geeignet ist. Selbst für diejenigen, die besonders viel emotionalen Besitz haben. Denn was ich nicht sehe, vermisse ich kaum. Emotional wird es ja meist erst dann, wenn ich „es“ in die Hand nehme, mich erinnere, zurück blicke und dem Gefühl hingebe. Verstehe mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Erinnerungen, aber müssen sie denn wirklich unbedingt durch Dinge repräsentiert werden?

Ich gebe es zu, ich war oft an dem Punkt an dem ich selbst liebend gerne so eine Packing Party veranstaltet hätte! Doch ich bin nicht alleine und mir steht es nicht zu, die Sachen meiner Familie einfach weg zu packen. Ich habe den aufwändigeren Weg gewählt und bin alles einzeln durchgegangen – über mehrere Jahre. Zu meiner „Methode“ komme ich aber gleich nach der wunderbaren Marie Kondo.

Die Kon Marie -Methode

The Life-Changing Magic of Tidying: A simple, effective way to banish clutter forever oder wer es auf deutsch mag: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert ist quasi das Aufräum- und Minimalismus Buch schlechthin. Man könnte auch sagen, die Bibel der Minimalisten.

Marie Kondo zeigt in ihrem Buch nicht bloß eine weitere neue Art und Weise aufzuräumen auf. Sie blickt auch hinter die Unordnung und hinter die eingeschliffenen Verhaltensweisen, welche die Ursachen dafür sind, warum nach dem Aufräumen das Chaos blitzschnell wieder die Überhand gewinnt, egal wie gründlich man alles verräumt hat.

Marie Kondo hält überhaupt nichts von der häufig empfohlenen Methode: Jeden Tag eine Sache. Sie hat sie selbst getestet und ist der klaren Meinung, dass es zu mehr Frust als Ordnung führt. Ich sehe das genauso, denn wenn du nur eine Sache jeden Tag ausmistet, dann dauert es nicht nur EWIGKEITEN bis du auch  nur im Ansatz sichtbare Erfolge erzielst, sondern es entsteht schneller die alte Unordnung als du bis drei Zählen kannst.

Oft wird diese Methode empfohlen, wenn Leute in Phasen feststecken, in denen sie keine Motivation, Energie oder Zeit haben. Diese Phasen sind Teil des Prozesses und gehören dazu, genauso wie die Phasen in denen der Tag gar nicht genügend Stunden hat, weil man so im Flow ist. Bist du in so einer „Durststrecke“, dann nimm das so an und zwinge dich nicht. Kümmere dich in diesem Zeiten um deine Seelenbedürfnisse wie Ruhe, Schlaf, einfach um alles was dir gut tut um neue Energien zu gewinnen.

Die Kon Marie-Methode ist ebenso kein Freund von hier ein Stück und da ein Stück, Schublade für Schublade oder Raum für Raum. Sie ist auch auf keinen Fall als reine Aufräummethode misszuverstehen. Marie Kondo hat zwei ganz klare und simple Grundsätze, welche die Basis bilden:

In einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt! UND Immer zuerst entrümpeln!

Schieb den ganzen Prozess also nicht auf die lange Bank und versteife dich nicht auf das reine Sortieren und Ordnen deiner Dinge, sondern miste zunächst radikal aus. Bei dieser Methode fragst du dich wirklich bei jedem einzelnen Gegenstand „Macht es mich glücklich, wenn ich den Gegenstand in die Hand nehme?“. Einfach ist dieser ganze Prozess nicht, aber es lohnt sich. Denn am Ende dieser Methode ist das ganz klare Ziel nur noch die Dinge zu besitzen, mit denen du dich absolut wohl, zufrieden und glücklich fühlst.

Marie Kondo beschreibt den Entrümpelungsprozess sehr genau und legt auch eine sinnvolle, aber streng einzuhaltende Reihenfolge fest, wann welche Kategorie dran ist. Ja genau, sie entrümpelt nach Kategorien aus und das macht absolut Sinn. Sie unterteilt in: Kleidung, Bücher, Schriftstücke, Kleinkram und ganz zuletzt Erinnerungsstücke und besteht eben genau auf diese Reihenfolge. Warum? Weil Erinnerungsstücke einfach mit den meisten Emotionen aufgeladen sind und unsere Urteilskraft stark eintrüben können. Beginnst du jedoch mit deiner Kleidung, dann kannst du dich von leicht bis schwer durchüben. Im Anschluss daran gibt sie wertvolle Tipps, wie du deine übrig gebliebenen wertvollen Dinge ordnest und aufbewahrst. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, es liest sich recht zügig und du kannst Schritt für Schritt ihren „Anweisungen“ folgen.

 

Meine persönliche Methode – Hier und Da und Nach und Nach

Okay, ich gebe es gleich am Anfang zu: meine Methode ist KEINE Methode. Ich habe einfach irgendwann angefangen Dinge, die mir ein Dorn im Auge waren raus zu werfen, zu verkaufen oder zu verschenken. Meine Familie und ich haben die letzten 11 Jahre in einem Haus gelebt, es war also jede Menge Platz für jede Menge Zeug vorhanden. So habe ich mehrere Runden Bücher aussortiert, immer wieder Kleidung, die Spielsachen der Kinder reduziert, einzelne Schubladen, Kisten, Kästchen, Kellerregale, manchmal aber selten nach Kategorien, meistens nach Zimmern, mit vielen Unterbrechungen und Pausen. Und vor allem ohne konkretes Ziel. Ich wusste nur, ich will IRGENDWANN recht problemlos umziehen können ohne dass ich dafür einen großen LKW brauche.

Das ganze hat sich bestimmt über 6 Jahre hingezogen. Ich war nie zufrieden und nie fertig. Und immer wieder kam dieser Frust hoch, dass es noch nicht reicht. Aber ich konnte Erfolge verbuchen und konnte dieses Glücksgefühl, von dem viele sprechen, empfinden. Mit jeder Kiste, die das Haus verlassen hat, mit jedem Schwung den ich bei Ebay-Kleinanzeigen los geworden bin, hüpfte mein Herz vor Freude. Vor allem wenn ich gesehen habe, dass es Menschen gibt, die sich über diese Dinge weit mehr freuen können als ich und sie auch verwenden.

Mit meinem Wissen heute, würde ich rückblickend zum einen viel eher viel radikaler sein und zum anderen viel effizienter arbeiten. Doch durch meine „Methode“ konnte ich mir sehr viel Erfahrung und Wissen aneignen, vor allem wie man es nicht unbedingt machen sollte.

Du fragst dich jetzt sicher, wie ich heute lebe und welche Dinge ich noch besitze – ob ich an meinem Ziel angekommen bin oder noch weiter minimalisiere. Von meinen ganz persönlichen Minimalismus erzähle ich dir beim nächsten Mal!

Fazit

Wie viele Dinge du am Ende deiner Minimalismusreise besitzt und mit welcher Methode du dein Ziel erreichst ist nicht relevant, es gibt hierfür keine festgeschriebene Menge und Methode! Jeder baut sich sein Lebenskonzept mit den Dingen, die ihn glücklich machen. Das kann das Leben im Wohnwagen sein oder das geliebte Haus, wichtig ist nur, sich nie wieder mit einem Zuviel zu belasten.

Minimalismus

 

Ich konnte dich vom Konzept Minimalismus begeistern? Dann leg am besten noch heute los. Und wenn du Lust hast, dann schreib mir doch in die Kommentare welche Methode für dich am besten funktioniert (hat).

Buchempfehlungen

Da Amazon eine schier unendliche Menge an Resultaten zum Thema Minimalismus ausspuckt, möchte ich dir zu guter Letzt noch ein paar Klassiker der Minimalismus-Literatur empfehlen. Aber vielleicht besser auf den Kindle laden als in Papierform (du weißt schon Minimalismus und Umwelt und so 😉 ) :


Minimalismus                      Minimalismus                         Minimalismus

 

Alles Liebe, Deine Kirstin

Passende Beiträge

Konsumierst du noch oder lebst du schon? Warum geben wir uns eigentlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Konsum hin? Wie Besitz belastet und warum Minimalismus eine Lösung sein kann, habe ich in meinem letzte...
11 Ideen für selbstgemachtes, minimalistisches, reisefreundliches Spie... Es ist ein Mythos, dass mit der Ankunft eines Kindes der Minimalismus aufhört. Auch als Familie mit Kindern kann man durchaus ein minimalistisches Leben führen. Das kommt uns ...
Familien Weltreise – 6 Hacks zur Finanzierung Wie könnt ihr euch denn das eigentlich leisten? Diese Frage ist definitiv unter den Top 3 der Fragen die uns gestellt werden, wenn wir erzählen, dass wir als 5-köpfige Familie...
Minimalismus als Lösung – wenn Besitz belastet Besitz belastet - klingt erst mal komisch. Ist es nicht das Ziel, Geld zu verdienen, um schöne Dinge besitzen zu können? Viele Jahre dachte ich das auch - bis ich von Menschen...

Ich bin Kirstin und der Ruhepol in der Familie. Wenn alle um mich herum mal wieder durchdrehen, bewahre ich einen kühlen Kopf. Als Dreifachmutter, Ehefrau und Sozialpädagogin weiß ich, wie ich mit Menschen mit einem ausgeprägten Charakter umgehe – und davon gibt es in meiner Familie reichlich. Ich suche immer wieder nach neuen Wegen frei, nachhaltig und minimalistisch im Einklang mit mir und meiner Familie zu leben – deshalb auch der Wunsch nach dieser Reise.