Die schönsten Stellplätze findet man bekanntlich meistens außerhalb der Campingplätze. Allerdings wollen wir nicht auf Licht, Wasserpumpe und mobilen Wifi-Router verzichten, wenn wir frei campen. Schon seit längerem haben wir daher mit einer Solaranlage für unseren Wohnwagen geliebäugelt. Nachdem wir jetzt die Schulbefreiung für unsere beiden großen Kids bekommen haben und wir mindestens die ersten drei Monate unserer Weltreise im Wohnwagen verbringen, stand einer Anschaffung nichts mehr im Weg.

Die richtige Dimensionierung

Bei der Dimensionierung der Solaranlage bin ich pragmatisch vorgegangen. Ich habe die einzelnen Verbraucher sowie deren ungefähre Nutzungsdauer pro Tag zusammengefasst.

Planung Solarmodul

  • Beleuchtung Wohnwagen (alles sparsame LEDs, Leistung durchschnittlich 3 Watt): 5 Lampen x 3 Watt x 4 Stunden =  60 Wh
  • Pumpe für Wasser und Toilettenspülung: 20 Watt x 0,5 Stunden = 10 Wh
  • Handyladegerät: 2 Smartphones x 12 Watt x 3 Stunden = 72 Wh
  • Ladegerät Laptop (220 V über Wechselrichter, 15 % Verlustleistung berücksichtigt): 36 Watt x 2 Stunden = 108 Wh
  • Ladegerät Mifi Router: 5 Watt x 3 Stunden = 15 Wh

In Summe kommen wir also auf einen Bedarf von 265 Wh pro Tag. Das Ladegerät für den Laptop läuft als einziges Gerät über 220 V, alles andere über 12 V. Um 220 V zu erhalten, habe ich an die Batterie einen Wechselrichter angeschlossen. Der Kühlschrank ist in der Aufstellung nicht berücksichtigt, da der über Gas läuft, wenn wir nicht am 220 V-Netz hängen. Einen Fernseher haben wir nicht (und wollen wir auch keinen). In verschiedenen Foren habe ich Erfahrungswerte für die Tagesleistung von Solarmodulen gefunden. So liefert ein 100 W-Modul an einem sonnigen Sommertag in Deutschland 420 Wh Solarenergie. Im Frühjahr und Herbst sind es rund rund 330 Wh. In Südeuropa kann man von ca. 50 % mehr Ertrag ausgehen, in Nordeuropa von rund 50% weniger. Für uns bedeutet dass, dass eines der zahlreich angebotenen Solarmodule mit 100 W für unseren Bedarf völlig ausreichend ist.

Planung Batterie

Die dazu passende Batterie für die nicht sonnigen Tagen habe ich nach folgender Formel ausgewählt:

Batteriekapazität = Tagesbedarf in Wh x 3 Tage Autarkiezeit x 1,4 / 12 Volt.

In unserem Fall ist also ein Akku mit 93 Ah ausreichend. Um noch etwas Luft nach oben zu haben, habe ich mich für einen Akku mit 110 Ah entschieden. Ich habe die Berechnung bewusst einfach gehalten, da Vieles nicht planbar sind. So kann auch mal über einen längeren Zeitraum das Wetter schlecht sein und die Solaranlage keinen Ertrag liefern. Aber anstatt eine noch größere Batterie zu kaufen, empfehle ich in so einem Fall einfach weiter zu fahren und auf besseres Wetter zu hoffen. Alternativ geht auch mal eine Nacht auf dem Campingplatz, um die Batterie über ein 220 V Batterie Ladegerät * wieder auf zu laden.

Die Qual der Wahl

Eine Solaranlage für einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil besteht aus den folgenden Teilen:

  • Ein Laderegler: das Herz der Anlage
  • Ein oder mehrere Solarmodule, das die Sonnenenergie in Strom umwandelt
  • Eine Batterie, in der die von vom Solarmodul erzeugte Energie gespeichert wird

Komplettsystem mit aufeinander abgestimmten Komponenten

Um die einzelnen Komponenten perfekt aufeinander abzustimmen, kann man sehr viel Zeit bei der Suche verbringen oder sich für ein Komplettsystem entschieden. Ich bin letzteren Weg gegangen.

Offgridtec Solaranlage 100 W *

Auf Grund der durchwegs positiven Bewertungen habe ich mich für ein 100 Watt Komplettsystem von Offgridtec * entschieden. Neben Laderegler und Solarmodul ist hier auch das komplette Befestigungsmaterial mit Spoiler, Dachdurchführung und Sika Klebeset sowie sämtliche Kabel enthalten. Mit 400 Wh durchschnittlich und bis zu 900 Wh an einem sonnigen Sommertag liegt die Tagesleistung des Solarmoduls deutlich über den Werten, die ich bei meiner Planung zu Grunde gelegt hatte. Und falls man doch noch mehr Strom braucht, kann man die Anlage um ein weiteres Modul der gleichen Leistungsklasse auf 200 W erweiterbar. Offgridtec (und auch andere Hersteller) bieten auch günstigere Pakete an. Mir ist es aber wichtig, qualitativ hochwertige Komponenten zu kaufen, da sich in meinem Leben der Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“ leider schon zu oft bewahrheitet hat. Die Qualität der einzelnen Komponenten ist wirklich hervorragend. Die Kabel sind mehr als ausreichend dimensioniert, der Laderegler hat ein Kontrolldisplay, auf dem alle wichtigen Informationen dargestellt werden und die Solarmodule sind sehr hochwertig. Die ausschließlich positiven Bewertungen auf Amazon bestätigen das.

Der passende Akku und Verkabelung

Beim Akku habe ich mich nach einiger Recherche für einen AGM-Akku entschieden. Diese sind wartungsfrei, auslaufsicher, gasen nicht aus und für den Einsatz als Energiespeicher für eine Solaranlage bestens geeignet. Die Wahl fiel auf einen 110Ah-Akku vom österreichischen Hersteller Langzeit *. Dazu kamen noch Kabel und sonstiges Installationsmaterial. Gerade bei den Kabeln solltest du auf einen passenden Querschnitt achten. Für mein 10m langes Kabel vom Laderegler zum Stromversorgungsgerät habe ich auf Empfehlung eines erstaunlich freundlichen und kompetenten Mitarbeiters des Baumarkts meiner Wahl einen Querschnitt vom 6 mm² gewählt. Meine spätere Recherche im Internet bestätigte meine Auswahl. Da Kabel im Wohnwagen stärkeren mechanischen Belastungen als im stationären Bereich ausgesetzt sind, solltest du keine starren Kupferkabel wegen der Gefahr eines Kabelbruchs verwenden. Auch Aluleitungen sind wegen des größeren Widerstandes nur bedingt geeignet. Eine komplette Aufstellung aller verwendeten Teile und deren Preise findest du übrigens am Ende dieses Beitrags.

Der Einbau – Eile mit Weile

Für den Einbau der Solaranlage habe ich mir ein komplettes Wochenende Zeit genommen. Effektiv war ich rund eineinhalb Tage mit dem Einbau und dem Anschließen beschäftigt. Am meisten Zeit hat dir Verkabelung in Anspruch genommen.

Akku, Wechselrichter und Laderegler

Solaranlage Batterie

Akku mit Wechselrichter und NATO-Knochen

Zuerst habe ich nach einem passenden Platz für Laderegler, Batterie und Solarmodul gesucht. Achte darauf, dass die Leitungen zwischen den einzelnen Komponenten so kurz wie möglich sind. Ich entschied mich dafür, die Batterie unter die Sitzbank zu bauen. Hier ist sie am wenigsten im Weg und in der Nähe der Achse, was für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung sorgt. Um im Bedarfsfall die Batterie komplett von der Anlage trennen zu können, habe ich zwischen Laderegler und dem Minuspol der Batterie noch einen NATO-Knochen verbaut. Damit der Akku während der Fahrt nicht verrutscht, wurde er an zwei Seiten an bereits vorhandene Wände geschoben und gegen die beiden anderen Seiten mit Holzplanken gesichert.

Solaranlage Steckdose

Solarsteckdose

Eine direkt an die Batterie angeschlossene 12 V-Steckdose versorgt meinen Wechselrichter mit Strom. Damit man nicht jedes mal unter die Sitzbank muss, wenn man 220 V benötigt, habe ich auch gleich noch eine von außen zugängliche Steckdose verlegt. Der Laderegler hat einen passenden Platz an der Wand über der Sitzgruppe bekommen. Die Kabel, die beim Laderegler unten eingeführt werden, verstecken sich hinter einem Kabelkanal – Ästhetik muss sein!

Das Solarmodul und die Kabeldurchführung

Als nächstes stand der ein wenig heikle Part der Durchführung des Solarkabels durch das Dach und die Montage des Solarmoduls auf dem Plan. Ich bin kein großer Freund davon, Löcher in meinen Wohnwagen zu bohren, aber irgendwie muss ja das Kabel vom Solarmodul zum Laderegler durchkommen. Ich entschied mich für einen Durchbruch in einem Schrank. Mit einem 14er Bohrer bohrte ich von innen ein Loch in das Dach. Nachdem ich das Bohrloch entgratet hatte, führte ich von außen das Kabel durch die Bohrung. Bereits vorher hatte ich das Solarkabel durch die im Komplettpaket enthaltene Kabeldurchführung durchgezogen. Die beiden Dachspoiler habe ich mit den beiliegenden Stahlschrauben am Solarmodul befestigt. Auch wenn es sich um selbstschneidende Schrauben handelt, erleichterte mir Vorbohren die Arbeit.

Solarmodul

Solarmodul auf dem Wohnwagendach

Die Lage der Kabeldurchführung und des Solarmoduls wurde mit Malerklebeband markiert. Den Sikaflex Kleber in dicken Raupen aufbringen (bitte unbedingt die Anleitung beachten, durch die Vorbehandlung mit Cleaner und Primer entsteht eine bombenfeste und wasserdichte Verbindung) und beide Teile mit leichten Druck festkleben. Überschüssigen Kleber kannst du mit einem mit Spülmittelwasser befeuchteten Finger glatt streichen. Das Klebeband abziehen, solange das Sikaflex noch feucht ist. Achtung: der beiliegende Sikaflex-Kleber kann, wenn er nach ca. 12 bis 24 Stunden ausgehärtet ist, nicht mehr entfernt werden! Die einzige Möglichkeit, ihn wieder abzubekommen, ist abschneiden. Daher also vor der endgültigem Anbringung des Solarmoduls und der Kabeldurchführung besser zweimal überlegen, ob der gewählte Platz ganz sicher auch der richtige ist. Und noch ein kleiner Tipp: Die meisten Wohnwagendächer sind zum Betreten nicht geeignet. Durch die punktuelle Gewichtsbelastung kann es zu einer Verformung des Blechs kommen und undichte Stellen entstehen. Um das zu vermeiden, habe ich auf das Dach ein Holzbrett gelegt und bin nur auf dieses Brett gestiegen.

Anschluss der Solaranlage an das 12 V Bordnetz

Nach einem ersten positiven Test der Anlage erledigte ich noch den letzten Teil – den Anschluss an das Bordnetz meines Wohnwagens. Die Verlegung des Kabels war ein wenig müßig, da ich nicht wollte, das man das Kabel sieht. Die Demontage verschiedener Wandverkleidungen, Kabelkanäle und des unteren Stockbettes dauerte ungefähr 3 Stunden.

Solaranlage Stromversorgungsgerät

Stromversorgungsgerät Schaudt CSV 300

Doch irgendwann war das Kabel da wo es hin sollte und ich schloss es an den Batterieeingang meines Stromversorgungsgeräts an. Den Schaltplan dafür habe ich auf der Website des Herstellers gefunden. Kurz habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, die Solaranlage über den Wechselrichter in das 220 V Bordnetz einzubinden, so dass prinzipiell an allen Steckdosen auch ohne Landstrom 220 V zur Verfügung stehen. Ich habe mich dann aber dagegen entschieden. Ich bin kein Elektriker und auch wenn ich mir vieles zutraue, war die Angst zu groß, dass ich mit einer falschen Elektroinstallation den Wohnwagen abfackel. Wenn du aber eine Anleitung für mich hast, wie man so etwas bewerkstelligen kann, werde ich das zu einem späteren Zeitpunkt nachrüsten. Bis dahin komme ich erst mal gut mit meiner separaten „Solarsteckdose“ zurecht. Zum Laden der Handys habe ich ein USB-Ladegerät an die 12 V Steckdose, die schon im Wohnwagen verbaut war, angeschlossen. Zum Schluss alles wieder zusammenbauen und fertig ist die Solaranlage für unseren Wohnwagen.

Fazit: mit ein wenig handwerklichen Geschick machbar

Wer keine zwei linken Hände hat und sich ausreichend Zeit nimmt, bekommt den Einbau einer Solaranlage im Wohnwagen ohne weiteres hin. Wichtig ist eine gute Planung. Eine zweite Person ist vor allem beim Verkleben des knapp 10 kg schweren Solarmoduls hilfreich. Wir freuen uns sehr über unseren neue Autarkie und unseren selbst produzierten Strom und hoffen auf viele sonnige Tage. Ich finde, das Endergebnis kann sich sehen lassen.

Hast du bereits eine Solaranlage auf deinem Wohnwagen verbaut? Hast du noch weitere Hacks und Infos, auf was man beim einbauen achten sollte? Oder brauchst du Hilfe für dein Solaranlagenprojekt? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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