Ich bin ehrlich mit dir: ICH BIN GENERVT und zwar sehr. Warum? Das erzähle ich dir in diesem Blogartikel. Es wird ein wütender und kritischer Bericht werden, denn es liegt mir einiges auf dem Herzen was ich nicht länger mit mir herum tragen möchte. Wenn du weiterhin in deiner heilen Welt leben möchtest, dann lies bitte nicht weiter. Möchtest du aber ein bisschen hinter die Kulissen des Reisens schauen, dann schenk mir ein paar Minuten deiner kostbaren Zeit.

Palmen, Strand, blaues Meer … und Plastik

Wir sind gerade auf der Insel Koh Mook, eine sehr kleine Insel in Thailand. Weiße Strände, spiegelglattes Meer, viele Kokosnusspalmen, eine unbändige Fülle an Tier- und Pflanzenarten. Und es regnet seit einer Woche fast ununterbrochen. Einen Sonnentag hatten wir dazwischen, der war so erholsam wie ein dreiwöchiger Sommerurlaub. Manchmal hat uns der Regen gestresst, aber eigentlich hat er besonders mir so einiges bewusst gemacht:

  • die Natur, wir Menschen und die Tiere brauchen die Sonne genauso wie den Regen und die Luft zum Atmen. Wärme, Luft und Wasser sind die wichtigsten Lebenspender, ohne sie würde es nichts auf dieser Welt geben. Aber sie sind genauso bedrohlich. Die gleißende Sonne kann die Erde und alles Leben austrocknen und sterben lassen, genauso wie das Wasser Leben zerstören oder zumindest Existenzen bedrohen kann, wenn es entweder zu wenig oder zu viel davon gibt. So haben das die Menschen hier 2005 erlebt, als sie der Tsunami überrascht hat.

  • Schauen ich mich genauer um, so sind die Menschen, die ihre Lebensgrundlage auf Basis des Tourismus aufgebaut haben, komplett abhängig vom Wetter. Wenn es wie hier gerade tagelang oder wochenlang regnet, bleiben die Touristen aus. Die Supermärkte verkaufen zu wenig, hauptsächlich Regencapes für sage und schreibe 25 THB (0,65 €) und die Restaurants bleiben auf ihrem Essen sitzen.

 

  • Die Leute die sich hier im Resort schönstes Sonnenwetter erhofft haben, reisen früher ab und die Besitzerin muss schauen wie sie ihre Kosten deckt. Sie muss ihre Familie und sieben Mitarbeiter finanzieren. Dafür arbeitet sie und ihre Leute sehr hart, sie sieht die meiste Zeit des Tages ihr kleines 1 jähriges Kind nicht, weil sie alles für ihre Gäste tut um den Aufenthalt, trotz des Regens so angenehm wie möglich macht. Sie hat nur 5 Monate Hauptsaison, danach kommen gar keine Gäste mehr.

 

  • Ich sehe, dass der Gärtner, der gleichzeitig der Taxifahrer ist, abends mit in der Küche steht, weil das Kind der Köchin krank ist und er sich deswegen weder um sich, um seine Frau noch um sein kleines Kind kümmern kann und trotzdem nur von der Hand in den zahnlosen Mund lebt.

 

  • Wie werden jeden Tag aufs Neue auf uns selbst zurück geworfen, weil wir nicht davon laufen wollen auf die nächste Insel, in der Hoffnung das wir dort endlich in den Pool springen können. Besonders wir als Eltern sind gefordert, weil unsere Kinder noch mehr Aufmerksamkeit brauchen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Wir werden erfinderisch und denken uns Spiele mit den Kindern aus, sie haben wieder angefangen viel zu lesen und wir entdecken gemeinsam die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt. Wenn wir eine Regenlücke genutzt haben um ins Dorf zu laufen, dann sehe ich wie die Leute in ihrem und unserem Plastikmüll ersticken. Die Häuser sind auf Stelzen gebaut, mit Sicherheit deswegen, damit der Regen und der Schlamm nicht ständig hinein läuft, aber es rettet die Menschen bis jetzt auch davor, im Müll zu ersaufen.

Und all das macht mich gerade so unfassbar wütend. Weil der eine Teil der Menschen auf unserem Planeten damit beschäftigt ist sich, von anderen Menschen bedienen zu lassen und deren verheerende Lebenslage auszunutzen (bewusst oder unbewusst) und dann auch noch die Nase über deren Lebensverhältnisse rümpft. Oder sie zu dem Teil der Menschen gehören, welche den ersten Teil bedienen, weil sie keine andere Möglichkeit sehen ihre Existenz zu sichern.

Die Krux mit den Erwartungen

Es gibt hier Gäste, die sich ungeniert darüber auslassen in welchem Loch sie hausen müssen und sie doch unbedingt ins nächste Spa wollen, weil sie sonst krank werden, bei all dem Regen und dem Dreck und den Tieren … denn so haben sie sich das gar nicht vorgestellt und vor allem nicht bestellt. Sie machen sich nicht einmal ansatzweise die Mühe sich umzuschauen und die Gegebenheiten in irgendeiner Weise mit ihrem eigenen Handeln in Verbindung zu bringen. Sie verlangen nur von den Einheimischen, ihren Dienern. Sie wollen das und wollen dies. Von Geheuchel und Ignoranz angetrieben sehen sie nicht in die Augen der Menschen, sie nehmen nicht die Schönheit der Natur wahr, die es ohne den Regen nicht geben würde. Sie fragen sich nicht, wie die Leute ihr Leben lang mit den Gegebenheiten vor Ort leben können, welche Strategien sie entwickelt haben. Sie bemerken nicht die Kinder die mit einem Handy in die Küche gesetzt werden, damit sie ihre Eltern nicht beim Zubereiten der Speisen für die Gäste stören. Sie fangen nicht an nachzudenken, was sie tun können um ihres und deren Leben nachhaltig besser zu machen. Sie überlegen nicht, wie sie mit ihrem Handeln, mit ihrer Erwartungshaltung und ihrem Egoismus die Welt ins Verderben treiben. Sie wollen nur Sonne, Palmen und blaues Meer und stets freundlich lächelndes Personal, welches alle möglichen und auch unmöglichen Wünsche erfüllt.

Nein, es sind selbstvertsändlich nicht alle Touristen so. Aber es sind auch nicht wenige, die ein Paradies erwarten und in ihrem hart erarbeiteten Urlaub nichts von Armut, sozialer Ungerechtigkeit und der Plastikschwemme sehen wollen.

Ja ich zeige mit dem Finger und ja ich weiß, jeder sollte sich an seine eigene Nase fassen und etwas ändern. Und ja das tue ich! Nicht im Großen, sondern im Kleinen, weil mir mit drei Kindern, die den ganzen Tag unsere volle Aufmerksamkeit brauchen, die Hände etwas gebunden sind. Aber ich gebe jeden Tag mein Bestes und ich zeige meinen Kindern die Welt in der wir leben. Ich zeige ihnen was wir anrichten, wenn wir beispielsweise jeden noch so kurzen Weg mit dem Auto fahren, wenn wir die Ressourcen unserer Erde verschwenden und immer höher, schneller und weiter kommen wollen, indem wir ein Wirtschaftswachstum ankurbeln, welches kein Ende zu haben scheint. Ich zeige Ihnen was wir im Kleinen tun können, z.B. Plastik vermeiden, nicht um jeden Baht feilschen, nur weil man das so macht  und vor allem mit den Menschen vor Ort in Kontakt gehen. Sie auch fragen warum sie ihre Insel im Müll verschwinden lassen. Zu verstehen, warum sie so agieren wie es nun mal tun ohne den Zeigefinger zu erheben. Denn nur so kann ich die Zusammenhänge der Insel, des Landes und am Ende auch der Welt etwas mehr verstehen. Und DANN kann ich Lösungen suchen, Ideen entwickeln und ins Handeln kommen. Aber dafür muss ich als erstes mich selbst und mein Wirken betrachten, hinterfragen und es anschließend verändern.

Die zwei größten Probleme der Menschheit

Und genau dieser Punkt macht mich gerade so unfassbar wütend. Wir beschäftigen uns mit so wahnsinnig vielen sinnlosen Dingen, wir starren in unsere Smartphones wie gehirnamputierte Affen (sorry ihr Affen), wir jammern darüber, dass die Hygiene nicht unserem westlichen Standard entspricht, dass das Essen nicht schnell genug auf dem Tisch steht oder in der falschen Reihenfolge. Wir rümpfen die Nase darüber, dass die Menschen hier kaum Englisch können, legen aber selbst ein Englisch an den Tag, bei dem es mir die Schuhe auszieht. Ich könnte hier so viele Beispiele nennen, denen ich auf unsere Reise begegnet bin. Am Ende sind es meiner Meinung nach zwei Dinge die uns Menschen so sein lassen:

 

Fehlende Bildung und Egoismus. 

Und an beiden Problemen können wir arbeiten! Jeden einzelnen Tag! Es war noch nie so einfach für uns Menschen uns über alles was wir wollen zu informieren, unabhängig von unserem sozialen Status, unserem Einkommen, unserer Schulbildung, unseren Noten auf dem Zeugnis. Wir tragen Verantwortung, wir müssen aufhören die Schuld bei den anderen zu suchen. Denn jeder ist erstmal für sich selbst verantwortlich. Und das ist nicht egoistisch. Denn wenn ich anfange, an mir selbst zu arbeiten, dann hat das immer einen positiven Effekt auf andere Menschen.

Lasst uns Vorbilder sein!

Lasst uns die beste Version unserer Selbst werden!

Und lasst uns unser Ego beiseite schieben und uns wirklich für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen interessieren!

Lasst uns Lösungen finden, wie wir und unsere Nachfahren nachhaltig, gesund und glücklich miteinander leben können!

Und was hat das jetzt alles mit Minimalismus zu tun?

Ich drücke es kurz und knapp und vielleicht auch ein wenig drastisch aus:

Unser Besitz belastet uns, er raubt uns jegliche Energien.

Die meisten von uns gehen 8-10 Stunden am Tag in die Arbeit um sich neben den essentiellen Dingen, die wir zum Leben brauchen, einen großen Haufen voll unnötiger Dinge zu kaufen. Doch die viele Zeit, die wir aufbringen müssen um das Geld für unseren Besitz zu erwirtschaften ist unsere Lebensenergie. Wir verschwenden unser wertvollstes Gut, unsere LEBENSZEIT, dafür Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen.  Aber darüber habe ich mich ausführlich hier und hier ausgelassen. Und eigentlich wissen auch mittlerweile viele Menschen, was unser Konsum alles anrichtet auf dieser Welt. Doch was er mit uns selbst anrichtet, ich glaube das ist vielen nicht so ganz klar und war es mir auch lange Zeit nicht.

Irgendwann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich habe mich den lieben langen Tag nur noch mit meinem Zeug beschäftigt und habe versucht damit glücklicher zu werden. Doch sobald ich unser Haus betreten habe, hat sich eine bleiernde Erschöpfung auf mich gelegt. Ich habe in allen Ecken gesehen, was ich  noch aufräumen und sauber machen, reparieren oder entsorgen muss und dann standen da meine Kinder und wollten auch ständig etwas von mir. Ich wurde zunehmend unzufrieden, depressiv und unglücklich. Meine Energien wurden von meinen Besitztümern und von allen Dingen im Außen wortwörtlich aufgesogen. Und mein Mann? Der hat Extrameilen gedreht und wie ein Getriebener gearbeitet um das alles zu finanzieren und um auch irgendwie glücklich zu werden.

Wir waren blind. Wir haben unsere Zeit (=Energie) in Geld (=Energie) umgewandelt um uns Dinge (=Energie) bzw. einen gewissen Lebensstandard zu leisten, der uns am Ende völlig ausgebrannt hat. Somit war keine Zeit oder besser gesagt Energie mehr vorhanden um uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Um unsere Kinder, um uns selbst und um unsere Umwelt. Dabei ist die Lösung so simpel:

Weniger Besitz = weniger Geld, welches wir brauchen = weniger arbeiten = mehr Energie

Nutze die frei gewordene Energie für alles was du schon immer tun wolltest! Arbeite ehrenamtlich, bilde dich weiter, fang ein Studium an, geh auf Reisen, nimm dir so oft wie möglich Zeit für deine Familie, deine Freunde, stampfe neue Projekte aus dem Boden … tu etwas wertvolles und vor allem tu etwas was du liebst und davon so viel wie möglich! Und fang am besten jetzt damit an. Wie? Das habe ich in meinem letzten Artikel erklärt.

Sammel deine eigenen Erfahrungen

Meine Worte, und sind sie noch so wütend, werden dich vielleicht nicht in dem Maße erreichen wie mich meine Gedanken dahinter selbst berühren. Oder wie es Stefan Hiene so unfassbar treffen beschreibt:

Verstehen findet niemals auf der Ebene von Worten statt.

Darum bitte ich dich: Geh hinaus in die Welt, zumindest vor deine Tür, und öffne deine Augen und dein Herz, sammel deine eigenen Erfahrungen und verändere die Welt zum Guten. Triff jeden Tag bewusst deine Entscheidungen. Ignoriere nicht weiter die Umstände die dich umgeben, die dich und deine Mitmenschen beeinflussen. Betrachte die Welt nicht nur durch dein Smartphone oder den Fernseher. Sauge das echte Leben auf, hinterfrage, kritisiere. Krempel die Ärmel hoch und fange an in deine Energie zu kommen und dein wahres Potenzial zu entfalten. Denn erst wenn du die Dinge mit deinen eigenen Sinnen wahrnimmst, dann können sich dich berühren und du kannst Veränderung schaffen.

Was stellst du mit deiner frei gewordenen Energie an? Erzähl mir gerne davon in den Kommentaren.

Alles Liebe für dich

Kirstin

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Ich bin Kirstin und der Ruhepol in der Familie. Wenn alle um mich herum mal wieder durchdrehen, bewahre ich einen kühlen Kopf. Als Dreifachmutter, Ehefrau und Sozialpädagogin weiß ich, wie ich mit Menschen mit einem ausgeprägten Charakter umgehe – und davon gibt es in meiner Familie reichlich. Ich suche immer wieder nach neuen Wegen frei, nachhaltig und minimalistisch im Einklang mit mir und meiner Familie zu leben – deshalb auch der Wunsch nach dieser Reise.